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Das Schwergewicht unter den Cuttern: Stanley Interlock-Cutter

Rasterung für die Klinge des Stanley Interlock-Cutters

Eines habe ich schnell gelernt: Wenn man bei Werkzeug spart, ärgert man sich unnötig, das Ergebnis leidet und man kauft zweimal. Manchmal weiß man aber überhaupt nicht, dass es überhaupt etwas Besseres gibt.

Das war bei mir der Fall mit dem schweren Stanley Interlock-Cutter. Lange Jahre habe ich immer feine Skalpelle benutzt, erst als ich mit dem Buchbinden angefangen habe, musste etwas schweres Gerät her für die Buchbinderpappen. Also habe ich das genommen was da war, einen klassischen Cutter mit Trapez-Klinge, der in einem Werkzeugkoffer enthalten war. Der tat seinen Dienst eigentlich auch recht gut. Die Klingen waren scharf, mussten aber relativ häufig getauscht werden, um bei abstumpfender Klinge das Material nicht zu sehr zu quetschen oder zu reißen. Und dafür musste jedesmal der Cutter mit Schraubendreher aufgeschraubt werden.

Hinzu kam, dass die Klinge relativ viel Spiel in ihrer Führung hatte. Wie die Sache mit dem Klingentausch keine große Sache, aber es passierte doch ein ums andere Mal, dass der Schnitt dadurch unsauber wurde. Irgendwann habe ich dann doch mal recherchiert, was für andere schwere Cutter es gibt, ob es nicht was „Praktischeres“ gibt. Gefunden habe ich den Stanley Interlock-Cutter.

Erster Eindruck

Vorderer Teil des Stanley Interlock-Cutters

Der Cutter besteht aus druckgegossenem Stahl und hat ein massives Gewicht von fast 200 Gramm. Es gibt keine besonders erwähnenswerte ergonomische Formung, trotzdem liegt er erstaunlich gut und schwer in der Hand, egal ob mit oder ohne Handschuhe. Das ist schon deutlich was anderes als der Plastik/Alu-Cutter den ich vorher hatte. Die Klingen sind 18 mm Abbrechklingen, eine Standardgröße und somit gut nachzukaufen. Die zwei Hauptteile des Gehäuses liegen gut ineinander, es gibt keine überstehenden Kanten und die Verarbeitung und Lackierung ist wirklich gut.

Hintere Schraube des Stanley Interlock-Cutters

Erster Einsatz

Das Ausfahren der Klinge funktioniert in drei schnellen Handgriffen: Zuerst wird per Schraube oberhalb das zweiteilige Gehäuse leicht gelöst, anschließend kann mit dem Schieber in festen Rasterschritten die Klinge ausgefahren werden. Anschließend wird die Schraube wieder festgezogen und die Klinge so in der Rasterung als auch zwischen den beiden Gehäuseteilen eingeklemmt. Die Schraube kann ohne besonderen Kraftaufwand bedient werden, selbst wenn man in Eile die Schraube nur leicht anzieht, lockert sich beim Arbeiten nichts.

Die Rasterung für die Klinge gefällt mir besonders gut. Bei dem ersten Raster steht die Spitze lediglich 2 mm heraus, ideal um Pakete ohne Angst vor Beschädigungen öffnen zu können. Das zweite Raster eignet sich gut für feine Arbeiten, die Klinge steht knapp 6 mm heraus und hat wirklich kein Spiel und auch keine Chance, sich bei höherem Druck irgendwie zu biegen. Der dritte Rasterschritt sind dann knapp 1 cm Klinge und für alle sonstigen Arbeiten geeignet. Man kann natürlich immer auch die gesamte Klinge ausfahren, um bspw. Styropor oder andere weiche Materialien zu schneiden.

Die enthaltenen Stanley-Klingen halten zumindest gefühlt deutlich länger als meine vorherigen Trapezklingen. Allerdings hat der Cutter hier auch eine Schwachstelle: Das Abbrechen der Klingen. Wo andere Cutter für Abbrechklingen beispielsweise eine Kappe mit Vorrichtung haben, mit der man Klingen abbrechen kann, hat der Stanley Cutter nichts dergleichen. Also bleibt einem eigentlich nur das Abbrechen mit einer Zange (jede andere Technik sorgt für herumfliegende Klingen und sollte auf keinen Fall versucht werden!). Also doch wieder Werkzeug notwendig.

Stanley Interlock-Cutter mit getrennten Bestandteilen

Zum Tauschen eine verbrauchten Klinge können die beiden Gehäuseteile voneinander gelöst werden.

Und ein anderer Punkt auf den hingewiesen werden sollte: Vermutlich produktionsbedingt hatte mein Cutter mit Maschinenöl beschmierte Klingen. Nicht dramatisch, aber ärgerlich, wenn man tatsächlich mal empfindliches Material schneiden möchte und das erst an den Flecken auf dem Material merken sollte. Das Öl habe ich vorsichtig mit einem Tuch entfernt.

Vorderer Teil des Stanley Interlock-Cutters

Grundsätzlich kann ich den Stanley Interlock-Cutter guten Gewissens empfehlen. Wo Skalpelle gerne mal 20 Euro oder mehr kosten, hält sich der Cutter mit einem durchschnittlichen Preis von 10 Euro eher im günstigeren Bereich. Bei all den positiven Eigenschaften lohnt sich diese Investition auf jeden Fall.

Kategorie: Material

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Seit mehr als 15 Jahren arbeite ich in verschiedenster Form mit Papier und bin dabei immer auf der Suche nach neuen, spannenden Anwendungen oder ungewöhnlichen Materialien. Dabei liegt mir immer die Herausforderung und das Ausprobieren von neuen Dingen am Herzen.

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